03.05.2017 Klinikentwicklung: Nichts wird so bleiben, wie es ist

Geschäftsführung stellt Szenarien für den Fall vor, dass die Zentralklinik abgelehnt wird – Viele Nachteile für die Patienten – Verkauf an privaten Klinikbetreiber eine Möglichkeit – Aufsichtsrat wird sich gegebenenfalls nach dem 11. Juni sehr schnell eingehend mit den verschiedenen Möglichkeiten befassen

Es ergeben sich verschiedene Entwicklungsszenarien, wenn die Zentralklinik beim Bürgerentscheid am 11. Juni von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger abgelehnt werden würde. Voraussetzung: Die Trägergesellschaft bleibt bestehen. Dies machte die Geschäftsführung in der Aufsichtsratssitzung der Trägergesellschaft Zentralklinikum Aurich-Emden-Norden deutlich. Die klaren Botschaften: Harte Sanierungsmaßnahmen verbunden mit deutlichen Umstrukturierungen wären angesichts der wirtschaftlichen Situation dringend notwendig. Sie würden – egal welches der Szenarien zum Tragen käme – die Versorgungssituation der Patienten vor Ort erheblich verschlechtern. Ein möglichst schneller Verkauf an einen privaten Klinikbetreiber wäre aus Sicht der Geschäftsführung eine wahrscheinliche Variante. Der Aufsichtsrat wird sich, wenn notwendig, nach dem 11. Juni eingehend mit diesen Szenarien befassen.

„Sollte die Zentralklinik abgelehnt werden, ist es unsere Aufgabe als Geschäftsführung, den Gesellschaftern die möglichen Entwicklungsszenarien aufzuzeigen – auch wenn wir selber alles andere als überzeugt davon sind“, sagt Claus Eppmann, Sprecher der Geschäftsführung der Trägergesellschaft. Dabei stehe schon heute fest, dass ganz sicherlich nichts so bleiben kann, wie es ist. Die Probleme seien zu drückend. Der latente Mitarbeitermangel – insbesondere bei den Ärzten – könne nur durch kostenintensive Honorarkräfte aufgefangen werden. Und auch die Vielzahl der Doppelstrukturen von Operationssälen über Apotheken bis hin zu Küchen seien Kostentreiber. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

„Wir reden über Szenarien, mit denen es gelingt, die Verluste zu reduzieren. Für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung zum Wohle der Patienten ist und bleibt die Zentralklinik ganz eindeutig die beste Lösung“, sagt Eppmann. Sollten die Planungen für die Zentralklinik durch den Bürgerentscheid gestoppt werden, müssten sofort Detailanalysen und -berechnungen erfolgen und vorgestellt werden, damit die Gesellschafter über den weiteren Weg auf der Grundlage von konkreten Zahlen beschließen können.

Die Szenarien sehen u.a. eine Konzentration von internistischen, chirurgischen und psychologischen Schwerpunkten an den Standorten vor. Das bedeutet gleichzeitig, dass es an den jeweiligen Standorten zu erheblichen Einschränkungen in der medizinischen Versorgung kommen wird. Bildet man beispielsweise in Emden ein Konservatives Zentrum der Inneren Medizin, fallen die internistischen Abteilungen in Aurich weg. Ein operatives Zentrum in Aurich würde bedeuten, dass es in Emden keine Chirurgie und keine Operationen mehr gibt. Auch die Kinderabteilung sowie Gynäkologie und Geburtshilfe würden an einem Standort konzentriert, und damit an einem anderen wegfallen.  Ein psychiatrisches Zentrum in Norden beispielsweise wäre abgehängt von allen anderen Disziplinen.

„Das sind alles Szenarien, die für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region nur Nachteile bringen. Das wollen wir ebenso wenig wie eine Privatisierung. Darum werden wir unsere ganze Kraft in den nächsten Wochen dafür einsetzen, die Menschen von dem Zukunftskonzept Zentralklinik zu überzeugen“, betonten Oberbürgermeister Bernd Bornemann und Landrat Harm-Uwe Weber, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Die Details müssten zu gegebener Zeit auf Grundlage der jetzt vorgestellten Möglichkeiten diskutiert werden. Die Möglichkeit, die Häuser zu verkaufen, habe man im Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen. Weitergehende Gespräche würden erst nach dem 11. Juni geführt, sollte die Zentralklinik abgelehnt werden.