Demografische Entwicklung & Fachkräftemangel

  • Bevölkerung wird immer älter und nimmt das Gesundheitssystem länger in Anspruch
  • Gleichzeitig sinkt der Anteil der Menschen im Erwerbsleben
  • Fachkräftemangel im Gesundheitswesen schon heute spürbar
  • Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen muss gestärkt werden

    Demografischer Wandel – die Fakten

    Die seit Mitte der 1970er-Jahre anhaltend niedrigen Geburtenziffern und die beständig steigende Lebenserwartung haben zu einer drastischen Veränderung des Größenverhältnisses zwischen den
    Generationen geführt. Der Anteil der unter 20-Jährigen an der Bevölkerung reduzierte sich zwischen 1960 und 2011 von 28,4 auf 18,2 Prozent. Parallel stieg der Anteil der Personen, die 60 Jahre und älter waren, von 17,4 auf 26,6 Prozent. Der Anteil der unter 20-Jährigen wird zwischen 2011 und 2060 von 18,2 auf 15,7 Prozent
    zurückgehen, der Anteil der Personen, die 60 Jahre oder älter sind, wird hingegen von 26,6 auf 39,2 Prozent anwachsen. Die Bevölkerungszahl verringert sich bei dieser Variante bis zum Jahr 2060 von
    derzeit 81,8 auf 70,1 Millionen.

    Demografischer Wandel: Auswirkungen auf das Gesundheitssystem
    Niedrige Geburtenraten und eine höhere Lebenserwartung stellen für die Gesundheitspolitik und die sozialen Sicherungssysteme besondere Herausforderungen dar. Die ständig steigende Lebenserwartung und der wachsende Anteil von Hochbetagen sind nicht nur eine Beweis für gute Lebensbedingungen, sondern sprechen auch für ein gut funktionierendes Gesundheitswesen.


    Kostendruck

    Gleichzeitig steigt der Kostendruck auf die sozialen Sicherungssysteme. Je nachdem wie sich die Altersstruktur beziehungsweise das Verhältnis der mittleren Generation zur jüngeren und älteren Generation entwickelt, verändern sich auch die Versorgungsaufgaben der mittleren Generation. Das heißt also:  Immer weniger junge Menschen müssen die sozialen Sicherungssysteme wie Krankenversicherung oder Renten für immer mehr ältere Menschen finanzieren. Dieser Tatsache geschuldet sind alle Diskussionen und Entscheidungen, die Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern und damit die stetig steigenden Kosten in den Griff zu bekommen.


    Fachkräftemangel

    Die Menschen werden immer älter und nehmen länger als früher medizinische Leistungen in Anspruch. Dementsprechend gibt es auch in Zukunft einen hohen Bedarf an Ärzten, medizinischem Fachpersonal sowie Pflegepersonal. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Schon heute hat dies insbesondere bei den Gesundheits- und Pflegeberufen Auswirkungen, wie die aktuelle Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Juni 2016) zeigt.

    In den Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es einen Mangel sowohl bei Humanmedizinern als auch bei examinierten Gesundheits- und Krankenpflegekräften und bei examinierten Altenpflegekräften. Im Bundesdurchschnitt sind beispielsweise Stellen in der Humanmedizin 137 Tage vakant. Diese Zahl liegt 52 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe.


    Fazit: Berufliche Rahmenbedingungen verbessern

    Die Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen ist u.a. nach Einschätzung der Bundesärztekammer von zentraler Bedeutung für die Steigerung der Attraktivität der Arzt- und Pflegeberufe. Hierzu gehören demnach insbesondere familienfreundliche Arbeitsplätze, individuelle Arbeitszeitmodelle sowie die Erleichterung des Wiedereinstiegs nach Mutterschutz und Elternzeit. Diese Einschätzung belegt auch eine Studie der Fachhochschule Münster zum Thema „Motivation, Arbeitsplatzzufriedenheit und Jobverhalten von Assistenzärztinnen- und ärzten sowie Studierenden der Humanmedizin“. Danach spielen Betriebsklima, Vereinbarkeit mit dem Privatleben und Abwechslung und Anspruch in der alltäglichen Arbeit eine deutlich wichtigere Rolle bei der Arbeitsplatzwahl als beispielsweise die Einkommenshöhe.